Fallbeispiel Psychotherapie

Eine Frau, Anfang 30 Jahre, leidet immer, wenn sie mit anderen Menschen in Kontakt tritt, unter leichtem Zittern im ganzen Körper, Gesichtsröte, Schweißbildung in den Handflächen und unter den Achseln. Selbst beim Telefonieren mit anderen Menschen treten diese körperlichen Symptome auf. Sie ist sehr gehemmt in Gesellschaft, obwohl sie in vertrauter Umgebung ein offener und freundlicher Mensch ist. Sie leidet, seit sie denken kann, unter diesen Beschwerden und möchte gerne davon befreit werden. Untersuchungen ärztlicherseits haben keine krankhaften körperlichen Ursachen erkennen lassen.

In therapeutischen Gesprächen erzählte sie ihre Lebensgeschichte:

Sie wuchs mit einem jüngeren Bruder in einem strengen Elternhaus auf. Die Eltern hatten kein gutes Verhältnis zu einander. Es gab viel Streit. Sie bekam häufig für Kleinigkeiten Schläge. Ihr Bruder war "Liebling" des Vaters. Sie war oft unglücklich und hat viel geweint. Sie hat ihren Eltern oft eine Freude machen wollen, um "gut" zu sein. Anerkennung bekam sie nicht. Später heiratete sie einen Mann, der recht gefühlskalt war. Während ihrer Ehe fühlte sie sich unglücklich, so dass sie sich schliesslich von ihrem Mann trennte und einen anderen Mann heiratete. Heute ist sie glücklich verheiratet und hat ein Kind. Aber ihre Beschwerden wurden nicht besser.

Im Laufe einer Gesprächstherapie wurde ihr klar, dass sie sich immer noch kein ausreichendes Selbstbewusstsein aufbauen konnte, obwohl sie der Meinung war, ein solches zu besitzen. Sie lernte in kleinen Schritten, sich ihr Denken und ihr Verhalten anderen Menschen gegenüber bewusst zu machen und zu überprüfen, und wenn nötig, zu korrigieren. Anhand von Tagesprotokollen wurden die Ergebnisse ihrer Verhaltensänderung analysiert und besprochen.

Die Ergebnisse dieser Arbeit waren beeindruckend. In wenigen Wochen war aus der etwas ernsten, zurückhaltenden Frau eine offene, lebhaftere Frau geworden.

Sie übernahm bereitwillig die Aufgabe, Situationen zu suchen, bei denen sie trainieren konnte, ihre Sprachscheu zu überwinden. In der begleitenden Heilhypnose wurde sie an ihre Denkmuster herangeführt und an die dazu gehörenden Gefühle. Dies ermöglichte es ihr, direkten Kontakt mit den Hintergründen ihrer Probleme zu bekommen, was tiefe Einsichten und Wandlung bei ihr geschehen ließen. Die körperlichen Symptome reduzierten sich, je weiter sie sich von ihren Hemmungen befreite. Sie hat sich in ihrem Leben noch nie so frei und unbeschwert gefühlt.